Entwicklung
Die Endlagerung radioaktiver Abfallstoffe in Salzformationen wurde bereits 1957 in einem Bericht der Amerikanischen Akademie der Wissenschaften (National Academy of Sciences) als besonders geeignet bezeichnet. Eine Empfehlung für Salz als Endlagermedium wurde auch 1963 im Zweiten Deutschen Atomprogramm ausgesprochen, ebenso in einem Gutachten der Bundesanstalt für Bodenforschung (jetzt Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, BGR) in Hannover. Daraufhin begannen 1965 im ehemaligen Salzbergwerk "Schachtanlage Asse" bei Remlingen, Kreis Wolfenbüttel, Forschungs- und Entwicklungsarbeiten zur Endlagerung im Salz.
1974 wurde im Auftrag des Bundes eine Studie zur Standortsuche für das damals geplante "Integrierte Nukleare Entsorgungszentrum" durchgeführt. In Folge wurden Erkundungsarbeiten in Wahn, Lutterloh und Lichtehorst gestartet. Diese Arbeiten wurden im August 1976 nach Protesten an allen drei Standorten auf Grund politischer Bedenken der Landesregierung von Niedersachsen eingestellt.
Die Niedersächsische Landesregierung beauftragte 1976 eine Projektgruppe, um aus den mehr als 200 norddeutschen Salzstöcken nach einem Kriterienkatalog geeignete Standorte für ein "Integriertes Nukleares Entsorgungszentrum" in einem nicht öffentlichen Verfahren auszuwählen. In der Folge benannte am 22. Februar 1977 die Niedersächsische Landesregierung in Hannover den Salzstock Gorleben als möglichen Endlagerstandort.
Zur Beurteilung der Eignung des Salzstockes Gorleben als Endlager für alle Arten radioaktiver Abfälle ist eine Fülle an Informationen notwendig, die durch eine Standorterkundung über und unter Tage gewonnen werden. Die übertägigen Erkundungsarbeiten wurden 1979 begonnen und 1985 in wesentlichen Teilen abgeschlossen. Dieses Programm setzte sich aus folgenden Arbeiten zusammen:
- hydrogeologische Untersuchungen auf einer Fläche von ca. 300 km² mit 322 Pegelbohrungen und 4 Brunnenbohrungen für Langzeitpumpversuche
- geologische Kartierungen
- geophysikalische Messungen mit insgesamt 549 Tiefensondierungen und 16 reflexionsseismischen Profilen längs und quer zum Salzstock mit einer Länge von insgesamt 150 km
- Errichtung und Betrieb eines seismischen Stationsnetzes zur kontinuierlichen Überwachung des Standortes auf lokale Erdbebenerscheinungen ab Februar 1986
- 44 Salzspiegelbohrungen zur Untersuchung der Kontakt- und Übergangszone zwischen Salzstock und Deckgebirge/Hutgestein
- 4 Tiefbohrungen in die Salzstockflanken bis rund 2.000 m zur Klärung des Stoffbestandes und der Struktur des Salzstockes
- 2 Schachtvorbohrungen bis knapp 1.000 m Teufe zur Vorbereitung des Schachtabteufens und damit der untertägigen Erkundung
Die erste Projektphase des untertägigen Erkundungsprogramms begann mit dem Abteufen der beiden ca. 400 m voneinander entfernten Schächte Gorleben 1 und Gorleben 2 in den Jahren 1986 bis 1997 bzw. 1989 bis 1995:
Schacht Gorleben 1:
- 11. September 1986 Beginn der Teufarbeiten im Tiefkälte-Gefrierverfahren
- 16. Dezember 1989 Salzspiegel bei Teufe 255,60 m erreicht
- 13. Dezember 1992 Beginn der Erstellung des Schachtinnenausbaus
- 11. August 1993 Fertigstellung des Schachtinnenausbaus
- 12. August 1993 Abschalten der Gefriermaschinen
- 18. April 1994 Wiederaufnahme der Teufarbeiten im Salz
- 10. November 1997 Erreichen der Endteufe bei 933 m
Gorleben Schacht 2:
Schacht Gorleben 2:
8. Mai 1989: Beginn der Teufarbeiten im Tiefkälte-Gefrierverfahren
2. Januar 1992: Salzspiegel bei Teufe 258,0 m erreicht
30. Juni 1993: Beginn der Erstellung des Schachtinnenausbaus
24. März 1994: Abschalten der Gefriermaschinen
29. März 1994: Fertigstellung des Schachtinnenausbaus
29. April 1994: Wiederaufnahme der Teufarbeiten im Salz
18. November 1995: Erreichen der Endteufe bei 840 m
Die zweite Projektphase der untertägigen Erkundung, die Auffahrung der Strecken im Infrastrukturbereich und Erkundungsbereich 1 (EB 1), begann mit dem Aussetzen der Füllörter (Übergang eines Schachtes in die horizontale Auffahrung) auf der 840-m-Sohle am 4. Oktober 1995 am Schacht 1 bzw. am 18. November 1995 am Schacht 2. Von hier aus wurde über die Hauptförderstrecke zunächst eine Verbindung zwischen beiden Schächten geschaffen (Durchschlag am 21. Oktober 1996).
Im weiteren Verlauf der Auffahrung wurde der Infrastrukturbereich des Erkundungsbergwerkes mit Werkstätten, Arbeits- und Lagerräumen erstellt. Mit dem Vortrieb der Querschläge 1 West und 1 Ost und der Nördlichen Richtstrecke begann die Umfahrung des für die Einlagerung wärmeentwickelnder Abfälle prädestinierten Steinsalzes im Zechstein 2 (Hauptsalz der Staßfurt-Folge, z2HS). Die Bereiche im jüngeren Steinsalz, die für die Einlagerung der vernachlässigbar wärmeentwickelnden Abfälle vorgesehen sind, wurden bisher noch nicht untersucht.
Parallel zu den Auffahrungsarbeiten wurden die geologischen Verhältnisse in sämtlichen Strecken kartiert und eine Vielzahl von Erkundungsbohrungen und geotechnischen Bohrungen durchgeführt, um die geophysikalischen Eigenschaften sowie das stoffliche und strukturelle Inventar des Salzgesteins zu klären. In diesem Zusammenhang wurden in den Bohrlöchern verschiedenartige Messungen durchgeführt:
Erkundungsbohrungen:
- Bohrlochverlaufsmessungen
- Temperaturmessungen
- Permeabilitätsmessungen
- Elektromagnetische Reflexionsseismik (EMR)
Geotechnische Bohrungen:
- Extensometer- und Inklinometermessungen
- Konvergenzmessungen
- Kurz- und Langzeitspannungsmessungen
Darüber hinaus wurden in den Schächten und Strecken Messstationen für Deformationsmessungen angelegt.
Die auf Grund der Konsenzvereinbarung zwischen der Bundesregierung und den Energieversorgungsunternehmen am 1. Oktober 2000 eingestellten Erkundungsarbeiten sollen nach Entscheidung der Bundesregierung nunmehr am 1. Oktober 2010 wieder aufgenommen werden.






