
Belgien
Vernachlässigbar wärmeentwickelnde Abfälle:
Mol-Dessel wurde 2006 nach Abschluss eines Standortauswahlverfahrens als Endlager für schwach radioaktive Abfälle festgelegt. Die Planungsarbeiten und das Genehmigungsverfahren sollen bis 2011 abgeschlossen sein, damit die Inbetriebnahme 2016 erfolgt.
Wärmeentwickelnde Abfälle
Ton wird als Wirtsgestein auf seine Eignung für ein Endlager für wärmeentwickelnde Abfälle untersucht. In Mol wird in 220 m Tiefe ein Untertagelabor in der Gesteinsformation Boom Clay betrieben. Die Inbetriebnahme eines Endlagers ist in zwei Stufen geplant: Für etwa 2035 ist die Endlagerung mittelradioaktiver Abfälle geplant. Nach 2050 soll die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle und ggf. ausgedienter Brennelemente realisiert werden.

Polen
Seit 1961 wird das Endlager bei Rózan, 90 km nördlich von Warschau, für die Entsorgung schwach- und mittelradioaktiver Abfälle genutzt. Das Endlager befindet sich in einer alten Militäranlage. Zur Endlagerung werden alte Bunkeranlagen und auch oberflächennahe Betonwannen genutzt, die im tonigen Untergrund eingelassen sind.

Frankreich
Das oberflächennahe Endlager Centre de la Manche für schwach- und mittelradioaktive Abfälle wurde 1994 stillgelegt. Insgesamt wurden 526.650 m³ Abfall eingelagert, wobei zwei Drittel aus dem Betrieb der Kernkraftwerke stammen.
Als Ersatz wurde 1992 das ebenfalls oberflächennahe Endlager Centre de l'Aube in Betrieb genommen, welches eine Gesamtkapazität von ca. 1 Mio. m³ schwach- und mittelradioaktive Abfälle besitzt und 60 Jahre betrieben werden soll.
Darüber hinaus wurde 2003 nahe des Endlagers Centre de l'Aube das oberflächennahe Endlager Morvilliers für sehr schwach- radioaktive Abfälle aus dem Betrieb und der Stilllegung kerntechnischer Anlagen mit einer Lager- kapazität von 650.000 m³ in Betrieb genommen. Zurzeit wird ein Standort- auswahlverfahren für ein Endlager durchgeführt, das langlebige schwachradioaktive Abfälle aufnehmen soll und dessen Inbetriebnahme für 2013 vorgesehen ist.
Der Callovo-Oxfordian Ton wurde als Wirtsgestein für ein zukünftiges Endlager für mittel- und hochradioaktive Abfälle festgelegt. Ein Standort steht noch nicht fest. Das Wirtsgestein wird seit 1999 in Bure in einem unterirdischen Forschungslabor untersucht. Aktuell wird in Frankreich am Endlagerplan sowie den erforderlichen Unterlagen für den Bauantrag gearbeitet. Der angestrebte Termin für die Einreichung des Antrags ist 2014.

Ungarn
In Ungarn wurde 1976 das oberflächennahe Endlager Püspökszilágy für schwach- und mittelradioaktive Abfälle in Betrieb genommen. Die Lagerkammern wurden in tonigen Quartärablagerungen errichtet und besitzen eine Lagerkapazität von 5.000 m³, die bereits weitgehend erschöpft ist. Seit von den Behörden vor einigen Jahren die Rückholbarkeit der Abfälle angeordnet wurde, werden die Abfälle in den Kammern nicht mehr mit Zement fixiert und die Anlage dient nur noch als Zwischenlager.
In Bátaapáti wurde 2007 mit dem Bau eines neuen geologischen Endlagers für schwach- und mittelradioaktive Abfälle begonnen. Das Endlager wird in einem Berghang aufgefahren und ist durch einen horizontalen Stollen zugänglich. Die Inbetriebnahme der ersten Einlagerungskammern ist für 2011 vorgesehen.

Tschechische Republik
Drei Standorte lagern schwach- und mittelradioaktive Abfälle:
Das Endlager Bratrství Jáchymov für Abfälle mit natürlichen Radionukliden (U+Th-.Zerfallsreihen) befindet sich in einer ausgedienten Uranmine 50 m unterhalb der Oberfläche. Es ist seit 1972 in Betrieb und soll noch bis 2030 weiterbetrieben werden.
Das Endlager Richard für Abfälle aus der Forschung, Industrie und Medizin wurde in einem ehemaligen Kalkbergwerk eingerichtet. Die Einlagerungskammern mit einer Lagerkapazität von 8.400 m³. befinden sich ca. 70 m unterhalb der Tagesoberfläche und oberhalb des Grundwasserspiegels. Das Lager ist seit 1964 in Betrieb und soll noch bis 2070 genutzt werden.
Auf dem Gelände des Kernkraftwerks Dukovany befindet sich ein oberflächennahes Endlager für schwach- und mittelradioaktive Betriebsabfälle. Das 1995 in Betrieb gegangene Endlager hat eine Kapazität von 55.000 m³ und ist so ausgelegt, dass es später auch die Stilllegungsabfälle aufnehmen kann.

Bulgarien
Seit 1964 werden im oberflächennahen Endlager Novi Han schwach radioaktive Abfälle aus Industrie, Medizin und Forschung gelagert. Die Lagerkammern sind 6 m tief in Kristallingestein angelegt und haben eine Kapazität von ca. 600 m³. Der überwiegende Teil der bislang eingelagerten Abfälle ist unkonditioniert.
In Bulgarien laufen seit kurzem Untersuchungen für ein Endlager für hochradioaktive Abfälle.
Aktuell werden Entwicklungspläne für ein neues oberflächennahes Endlager auf dem Gelände des Kernkraftwerks Kosloduj ausgearbeitet, um die in Verbindung mit der Stromerzeugung des Kernkraftwerks entstehenden Abfälle zu lagern.

Schweden
Das schwedische Endlager SFR wurde in der Nähe des Kernkraftwerkes Forsmark für die Entsorgung von schwach- und mittelradioaktiven Betriebsabfällen aus dem Betrieb und der Stilllegung der Kernkraftwerke eingerichtet. Das von 1983 bis 1988 errichtete Endlager wurde in 60 m Tiefe in Kristallingesteinen unterhalb der Ostsee aufgefahren. Die Lagerkapazität beträgt 63.000 m³.
Im März 2011 reichte Svensk Kärnbränslehantering AB (SKB) den Baugenehmigungsantrag an die atomare Sicherheitsbehörde Strålsäkerhetsmyndigheten (SSM) und den Umwelt-Gerichtshof ein zum Bau eines Endlagers. Dieses soll in Granit am Standort Forsmark eingerichtet werden. Der Bau des Endlagers wird von 2015 bis in die 20er Jahre dieses Jahrhunderts andauern. Danach ist eine Einlagerung möglich, die in der ersten Hälfte des 22. Jahrhunderts abgeschlossen werden soll.

Rumänien
In einer erschöpften Uran-Mine wurde 1985 das Endlager Baita-Bihor für schwach- und mittelradioaktive Abfälle eingerichtet. Als Einlagerungskammern werden frühere Stollen in einem Berghang in stark metamorphen sandigtonigen Sedimenten oberhalb des Grundwasserspiegels genutzt. Das Endlager ist für die Einlagerung von 21.000 220 l-Fässern ausgelegt.
Für 2014 ist die Fertigstellung eines weiteren oberflächennahen Endlagers für schwach- und mittelradioaktive Abfälle in Saligny geplant.

Finnland
Finnland nutzt zwei unterirdische Endlager für die Entsorgung schwach- und mittelradioaktiver Abfälle. Das Endlager Loviisa wurde von 1993 - 1997 auf der Insel Hastholmen in 120 m Tiefe im Granit errichtet. Das Endlager nimmt Betriebs-, in Zukunft auch Stilllegungsabfälle des Kernkraftwerks Loviisa auf und hat eine Lagerkapazität von 113.000 m³.
Das westfinnische Endlager Olkiluoto wurde von 1988 - 1992 auf der gleichnamigen Insel in unmittelbarer Nähe zum dortigen Kernkraftwerk gebaut, um die Betriebs- sowie die zukünftigen Stilllegungsabfälle des Kernkraftwerkes aufzunehmen. Das Endlager befindet sich in 60 bis 100 m Tiefe in Kristallingesteinen. Die Lagerkapazität beträgt 60.000 m³.
Finnland hat sich nach Abschluss eines Standortauswahlverfahrens 2001 für den Standort Olkiluoto zur Endlagerung von ausgedienten Brennelementen im Granit entschieden. Hier wurde das Untertagelabor Onkalo aufgefahren, um die Eignung der Kristallingesteine als Wirtsgesteine für ein Endlager zu untersuchen und Endlagertechnik zu erproben. In 2012 soll der Antrag zur Baugenehmigung gestellt sein. Die Endlagerung soll im Jahr 2020 beginnen.

Großbritannien
Vernachlässigbar wärmeentwickelnde Abfälle
Seit 1959 wird in unmittelbarer Nähe der kerntechnischen Anlagen von Sellafield das oberflächennahe Endlager bei Drigg betrieben. Die Einlagerung erfolgt in Betonwannen (700 x 25 x 8m; L x B x T). Bis 2040 ist die Einlagerung von weiteren 700.000 m³ schwach radioaktiver Abfälle geplant.
Der Bau eines weiteren Endlagers für schwach radioaktive Abfälle ist in Dounreay (Caithness, Schottland) zur Aufnahme der Abfälle vorgesehen, die beim Rückbau der kerntechnischen Anlagen anfallen.
Wärmeentwickelnde Abfälle
Die Zuständigkeiten im Bereich der Kerntechnik wurden 2005 neu geregelt. Mit der Nuclear Decommissioning Authority (NDA) schuf man eine Behörde, die für die Stilllegung kerntechnischer Anlagen sowie für die Entsorgung der radioaktiven Abfälle verantwortlich ist.
Ein Expertengremium (Committee on Radioactive Waste Management – CoRWM) empfahl die Endlagerung in geologischen Formationen, gekoppelt mit sicherer Zwischenlagerung. Die Standortauswahl soll auf Freiwilligkeit und kommunaler Partnerschaft basieren. Die britische Regierung akzeptierte die Empfehlungen im Jahr 2008 und hat mit der Umsetzung bereits begonnen. Konzeptionelle Endlagerplanungen werden gegenwärtig durchgeführt. Darüber hinaus werden Alternativen wie Transmutation Drei oder Recycling analysiert.
Gemeinden haben bereits unverbindlich Interesse als Standort eines Endlagers angekündigt.

Norwegen
1999 wurde das Endlager Himdalen für schwach- und mittelradioaktive Abfälle in Betrieb genommen. Das Endlager besteht aus vier Kavernen für jeweils 2.500 210 l-Fässer, die in 50 m Tiefe in Kristallingestein angelegt wurden. Das Lager soll bis 2030 betrieben werden. Plutoniumhaltige Abfälle werden rückholbar gelagert.

Slowakische Republik
Seit 2001 wird das oberflächennahe Endlager Mochovce für schwach- und mittelradioaktive Abfälle betrieben. Die Lagerkammern sind in neogenen Tonen angelegt und haben eine Lagerkapazität von 22.320 m³, die in den nächsten Jahren erhöht werden sollen. Daneben ist im Bereich des existierenden Endlagers der Bau eines gesonderten Endlagerbereiches für die Entsorgung sehr schwach radioaktiver Abfälle geplant.
Der Standortauswahlprozess für ein geologisches Endlager für hochradioaktive Abfälle ist eingeleitet worden.

Spanien
Das Oberflächenlager El Cabril wurde 1991 für schwach radioaktive Abfälle in Betrieb genommen. Das Lager hat eine Kapazität von 36.000 m³ und entspricht prinzipiell dem französischen Endlagerkonzept des Centre de l'Aube. Ein wesentlicher Unterschied besteht in der rückholbaren Einlagerung der Abfälle in El Cabril, wo seit Ende 2008 ein Endlager für sehr schwach radioaktive Abfälle eingerichtet ist.
Im Hinblick auf die Entwicklung eines Endlagers für abgebrannte Brennelemente wurden generische Konzepte für Granit und Ton ausgearbeitet. Eine Standortfestlegung erfolgte bisher noch nicht.

Schweiz
In der Schweiz läuft die Standortauswahl im Rahmen des Endlagerprogramms. Für die Endlagerung von Abfällen mit niedriger und hoher Aktivität sind drei potentielle Standortregionen ausgewählt worden. Ebenfalls drei Standorte wurden für Abfälle mit ausschließlich niedriger Aktivität ausgesucht. Opalinuston wird als geeignetes Wirtsgestein für hochradioaktive Abfälle angesehen. Derzeit werden vorläufige Sicherheitsanalysen durchgeführt.
In der Schweiz ist die Nagra (Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle) für die Standortauswahl und den Bau von Endlagern zuständig. Im Jahr 2002 hat die Nagra eine Studie zur Demonstration des Schweizer Endlagerkonzepts durchgeführt, die anschließend vom Bundesrat angenommen wurde. Die beiden unterirdischen Labore Grimsel (Granit) und Mont Terri (Tonstein) werden von der Nagra für Endlagerstudien betrieben.

Dänemark
Abgebrannte Brennelemente aus den DR-2 und DR-3 Forschungsreaktoren wurden in die USA zurückgebracht, während 233 kg abgebrannte Brennelemente aus dem DR-1 Forschungsreaktor aktuell in Dänemark verbleiben. Für diese sucht Dänemark nach einer internationalen Lösung. Sollte diese nicht gefunden werden, werden die Brennelemente im dänischen Risø im LILW (low and intermediate level waste) - Endlager schwach- und mittelradioaktive Abfälle entsorgt. Die Wahl eines Endlagers mit einer Kapazität von ca. 5.000 m3 für schwach- und mittelradioaktive Abfälle ist für 2012 geplant.

